Logau, Friedrich Freiherr von

10. Februar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Friedrich-von-Logau










Auszüge aus „Sämmtliche Sinngedichte“

[1]44. Geitzhals
Den Geitzhals und ein fettes Schwein
Schaut man im Tod erst nützlich seyn. (S. 42)

[1]47. Auff einen Ehrgeitzigen
Alle Menschen günnen dir, daß du möchtest Cäsar werden,
Doch mit dreiundzwantzig Wunden nieder liegend auff der Erden. (S. 43)

[1]58. Das Beste der Welt
Weistu, was in dieser Welt
Mir am meisten wolgefällt?
Daß die Zeit sich selbst verzehret,
Und die Welt nicht ewig währet. (S. 45)

[4]89. Eitelkeit
Es gilt ietzt nichts so hoch, als nichts; die Eitelkeit
Hat an sich alle Welt, Geschäffte, Leute, Zeit,
Daß gegen Nichts ist nichts die reiche Seligkeit. (S. 115)

[6]94. Thorheit
Wann Thorheit thäte weh, o, welch erbärmlich schreyn
Würd in der gantzen Welt in allen Häusern seyn! (S. 158)

[7]06. Das beste in der Welt
Das beste, das ein Mensch in dieser Welt erlebet,
Ist, daß er endlich stirbt, und daß man ihn begräbet.
Die Welt sey, wie sie wil; sie hab auch, was sie wil,
War sterben nicht dabey, so gilte sie nicht viel. (S. 160f.)

[8]71. Heutige Welt-Kunst
Anders seyn und anders scheinen,
Anders reden, anders meinen,
Alles loben, alles tragen,
Allen heucheln, stets behagen,
Allem Winde Segel geben,
Bös- und Guten dienstbar leben;
Alles Thun und alles Tichten
Bloß auf eignen Nutzen richten:
Wer sich dessen wil befleissen,
Kan politisch heuer heissen. (S. 199f.)

[11]73. Thätligkeit
Wer nimmer nichts versucht, der weiß nicht, was er kan;
Die Übung würckt uns auß; Versuch, der führt uns an. (S. 265)

[11]93. Gegenwärtiger und vergangener Zustand
Glücke kennt man nicht, drinne man geboren;
Glücke kennt man erst, wann man es verloren. (S. 269)

[12]46. Ein menschlich Vieh
Mancher kan nichts, weiß Vernunfft rühmlich nicht zu weisen,
Suchet drum durch Unvernunfft, daß man ihn soll preisen. (S. 278)

[13]84. Flüchtige Zeit
Wer die Zeit verklagen wil, daß so zeitlich sie verraucht,
Der verklage sich nur selbst, daß er sie nicht zeitlich braucht. (S. 308)

[14]17. Schein der Freyheit
Die Freyheit ist der Strick, damit man Freyheit fängt;
Ie mehr man sie verdrückt, ie mehr man ihrer denckt. (S. 314)

[14]36. Menschliche Thorheit
Wann keine Thorheit mehr wird seyn,
So wird die Menschheit gehen ein. (S. 317)

[15]42. Verleumder
Die Mucken singen vor, eh als sie einen stechen:
Verleumder lästern drauff, in dem sie lieblich sprechen. (S. 336)

[16]85. Menschliche Unvollkummenheit
Daß wir unvollkummen sind, wann wir diß erkennen,
Kan man solch Erkäntnüß schon eine Beßrung nennen. (S. 360)

[17]87. Güter
Daß man ohne Sorgen lebe, sorgt man stets um Gut und Geld,
Das doch den, der es ersorget, immerdar in Sorgen hält. (S. 376)

2340. Wolthätigkeit
Wer Wolthat gibt, solls bald vergessen; wer Wolthat nimmt, solls nie vergessen;
Sonst ist um Undanck der zu straffen und jenem Hoffart zuzumessen. (S. 467)

2458. Ein Weiser unter Narren
Wer unter Narren wohnt, wie viel auch derer seyn,
Ist unter ihnen doch, als wer er gar allein. (S. 485)

2570. Die Welt
Sündlich zu-, geplaget in-, kläglich gehn wir auß der Welt;
Was ist der nur für ein Narr, der die Welt fürs beste helt! (S. 503)

2777. Zeiten und Gebräuche
Man hat gehört bey aller Zeit von bösen Zeiten sagen;
Die Sitten mag, die Zeiten nicht, wer witzig ist, beklagen. (S. 541)

3134. Wissenschafft
Nicht das viele wissen thuts,
Sondern wissen etwas guts. (S. 598)

3247. Vergnügligkeit
Seines Lebens und der Welt kan am besten der genissen,
Der das Grosse dieser Welt ihm begehret nicht zu wissen. (S. 616)

3407. Leben und Tod
In dem Leben wohnet Sterben; in dem Sterben wohnet Leben;
Lasse dir das Sterben lieben du, dem Leben nur ist eben! (S. 650)

(Tübingen, 1872)

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